Signet Arnd Moritz
ARND  MORITZ
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Dienstag, 19. März 2019
Es gibt mediale Floskeln, die mittlerweile Brechmittel sind. Zum Beispiel die, dass Deutschland eines der reichsten Länder der Erde sei. Das muss wohl so sein, denn für ein Land, das sich einen Flughafen leistet, der den Steuerzahler täglich über eine Million Euro kostet - täglich! -, muss wohl Geld wirklich keine Rolle spielen. Und Luft nach oben muss auch drin sein, denn ein Segelschulschiff der Seestreitkraft dieses reichen Erdenlandes soll jetzt für ungefähr 120 Millionen Euro wieder schwimmfähig gemacht werden. Mein Nachbar Jonte Puphalla regte sich im Treppenflur richtig auf.
          »Über was entscheidet diese Politikkaste da oben mittlerweile eigentlich? Dem kleinen Mann wird über die Hälfte seines Einkommens als Steuer aus der Tasche gezogen!«
          »Richtig, und heute weiß natürlich keiner mehr, dass vor etlichen Jahren die da oben noch Schamgefühl hatten. Damals galt die Hälfte des Einkommens als Schamgrenze, die steuerlich nicht überschritten werden durfte!«, erinnerte ich mich.
          Jonte hatte neulich mitgeholfen, einen Schulbau zu sanieren. »Weil überängstliche Eltern glauben, man könne ihren Kindern keine nassen, schimmelverseuchten Schulräume zumuten, wenn sie nach dem Unterricht zusammen mit ihren Eltern ihre Mahlzeiten von der Berliner Tafel abholen müssen.«, erklärte mir Jonte. Bei ihm weiß man nie, ob er es ernst oder irgendwie anders meinte. »Bist du da sicher?«, fragte ich ihn.
          »Die da oben wissen nicht, was hier unten wirklich los ist!«, meinte Jonte. Ich wollte das bezweifeln, als er fortfuhr. »Fehlt nur noch, dass die da oben denen hier unten empfehlen, besser mal das Obst von der Tafel gegen Törtchen aus der Pâtisserie auszutauschen!«
          Ich mag ja solche Polemiken nicht, aber Jonte ist da sehr meinungsstabil. Wir haben uns deswegen sogar mal richtig gestritten. Aber das ist schon länger her. Es lohne sich nicht, hatte er gemeint. Dabei war ich schon richtig in Fahrt gekommen. Nur wegen der Floskeln. Richtig. Die Kanzlerin sei die mächtigste Frau der Welt, ist auch so eine Aussage aus dem medialen Floskeluniversum. Wie groß muss denn die Machtfülle sein, wenn ein einzelnes ungünstig gewähltes Wort den Absturz zur Folge haben kann? Und das in einem der reichsten Erdenländer, das Meinungsfreiheit für jeden garantiert! Jonte bleibt immer beim Thema. Ich dagegen fange immer gerne bei Eva und Adam an und schweife herzlich liebend ab. »Bleiben wir doch bei der Abgehobenheit derer da oben!«, ermahnte mich Jonte. »Die Abgehobenheit macht Floskeln«, meinte er. »Richtig, das war das Thema«, bestätigte ich.
          »Und überhaupt«, schimpfte er, »woher kommen wir denn eigentlich?« und summte die Melodie der mir nicht ganz unbekannten Antwort: »›Auferstanden aus Ruinen‹! Darauf sollten wir uns besinnen! Guck dir doch nur das Kanzleramt an!« »Habe ich, neulich noch, beim Tag der offenen Tür!«
          »Das meine ich nicht«, stoppte er mich. »War es nötig, diese Waschmaschine größer als Washingtons Weißes Haus oder Paris' Élysée-Palast oder als Londons Downing Street 10 zu bauen? Dieses ›Größer, Besser, Höher‹ hatten wir schon einmal!«
          »Also das kannste jetzt nicht sagen. Das sind völlig verschiedene Schuhe!«, behauptete ich. Und dann sagte er: »Schuhe, die uns zu groß sind, sollten wir vor der Tür abstellen! Und aus der Vergangenheit gilt es zu lernen!« Mit solchen Sätzen markiert Jonte immer das Ende unserer spontanen Hausflurgespräche und fügte aber noch »Meine Größe ist übrigens sechsundvierzig!« hinzu.
          Mein »Ich habe sechsundvierzigeinhalb« hörte er nicht mehr. Seine Tür war wieder geschlossen und ich zog meine Schuhe aus.
 
Donnerstag, 28. Februar 2019
Gestern Abend Premiere von MELVINs LAND im Gemeindesaal von St Simeon im Kreuzberger Wassertorkiez. Sie überbot alle vorherigen Aufführungen der Kreuzberger Optimisten. Und die waren auch vor MELVINs LAND schon gut. Doch der gestrige Abend hat mich als Autor sprachlos gemacht, so dass ich nicht fotografieren konnte. Ich war gefesselt von einer Inszenierung, der Viktoriya ihre musikalisch dramaturgische Prägung gab. Mit Lied und Gitarre spielte sich Daniela nachhaltig in die Seele der Zuschauer und Svitlana fesselte mit ihrem Lied Sommer in Paris in der Komposition Viktoriyas die Herzen des Publikums. Ich muss hier nicht die Leistung eines jeden Ensemblemitglieds betonen. Ihr habt überzeugt, so dass ich den Satz im Publikum hörte »Wir werden zu jeder Aufführung kommen.«
 
Sonntag, 27. Januar 2019
Die beliebte Rente ab 63 führe zu Fachkräfte-Mangel, ist auf wize.life zu lesen. Ferner, dass die deutsche Wirtschaft die daraus resultierende Wachstumsbremse kritisiere. Wirtschaft und Politik wünschen die Rente mit 63 auf den Prüfstand, ist an anderer Stelle zu lesen. Mein Nachbar, Jonte Puphalla, meinte vorhin dazu, dass das kein Wunder sei, da 25 % der Beschäftigten in Deutschland innerlich gekündigt haben. Er hatte auch sofort sein neues Handy zur Hand und zeigte mir den diesbezüglichen Artikel. Er glaube nämlich, sagte er mir, dass ich ihm manchmal seine kühnen Thesen nicht glaube. Und dann las ich, was er mir gesagt hatte. Dann solle sich auch die Wirtschaft nicht beklagen, empörte ich mich erwartungshaltungsgemäß. Der Mensch ist des Menschen Wolf, wussten schon die Altvorderen. Was also tue die Wirtschaft für eine Harmonisierung an den Arbeitsplätzen, fragte er mich rhetorisch. Die Wölfe sollen in Deutschland schließlich schon die Großstädte erreicht haben. Vielleicht leben die Führungskräfte etwas vor, was sich nachzuleben nicht lohnt, und so rückt der Wert des eigenen Lebens immer mehr in den Vordergrund. Solange jedenfalls bis der alte Wolf von hier und da und dort die Schnauze voll hat. Sang mal Hilde Knef. Dass dieses alte Lied heute wieder aktuell wird, hätte ich auch nicht gedacht, meinte Jonte und beeilte sich in seine Wohnung zu kommen. Muss gleich »Andalusien - wo Spaniens Seele wohnt« gucken, sagte er noch, bevor er die Tür hinter sich schloss.
 
Freitag, 04. Januar 2019
Gestern um 03:26 UHR MEZ landete Chinas Sonde Chang'e 4 als erste auf der Nachtseite des Mondes und um 15:22 MEZ berührte Yutu-2 (Jadehase 2) den Mondboden des Aitken-Kraters. Kurz zuvor beeilte sich  SPIEGEL ONLINE, uns zu erklären, warum es die ›dunkle Seite des Mondes‹ nicht gibt«. Ich bin jedenfalls gespannt, ob viele, viele weitere Jadehäschen auf der dunklen Seite des Mondes, die es also nicht gibt, jene Alien-Gebäude finden werden, die Verschwörungstheoretiker ausgemacht haben wollen. Mein Nachbar, Jonte Puphalla, meinte vorhin dazu, dass das Landegebiet absichtlich in Südpolnähe gelegt worden sei, damit man sich nicht in die Quere kommen könne. Natürlich frage ich mich, ob man unter "man" auch die Anderen, also die Aliens, einordnen darf.
 
Donnerstag, 27. Dezember 2018
Auch nach weihnachtlichem Gaumenverwöhnprogramm bleibt die Ersttasse Kaffee am Morgen die beste.  •  Bin unwirsch: Das Wissen über Ötzi wächst und wächst! Was aber mit Dr. Helbich in der Rauhnacht zum 22. Dezember 1878 geschah, weiß man immer noch nicht!
 
Mittwoch, 26. Dezember 2018
Heute die Website um das Diarium ohne Kommentierungsfunktion erweitert. Twitter und Facebook sind längst abgeschaltet. Es ist wunderbar, mal wieder Zeit für sich und wahre Freunde, und nicht für die 523 FB-Freunde, zu haben.
 
 
 
 
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